Medienkrise

In Zeiten der Skandalisierung, Hysterisierung und Digitalisierung steigt die Bedeutung von Medienkrisen rapide an – befinden sich die Medien selbst in der Krise, betrifft das die Wirtschaftswelt umso mehr. Nur allzu leicht und schnell können sich Situationen, die für ein Unternehmen vielleicht im ersten Moment gar nicht eine so große Dimension haben, zu einem medialen Aufreger oder – schlimmer – zu einer echten Kommunikationskrise entwickeln. „Mann beißt Hund“ – die alte Journalistenregel, wonach erst das Ungewöhnliche eine Nachricht ausmacht, gilt heute um ein vielfaches potenziert.

Durch sinkende Auflagen, Zusammenlegungen von Redaktionen, sinkendes Bürgervertrauen und zunehmender Konkurrenz off- wie online herrscht ein regelrechter Kampf um sensationelle News. Faire Recherche und der gute Ton geraten da schnell ins Hintertreffen, Thesenjournalismus und Boulevard beherrschen das Tableau – die Medienkrise auch für Unternehmen steht dann vor der Tür, wenn vermeintlich investigative Formate anfragen, wenn CEOs sich in Talkshows und im Überfall-Interview erklären sollen. Wer die Mechanismen kennt, wer fit im Auftritt vor der Kamera und vor dem Mikrofon ist und wer seine Botschaften vorbereitet hat, ist klar im Vorteil. Eine professionelle, präventive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zur Krisenprävention kann das Schlimmste nicht immer verhindern, aber eine solide Basis schaffen, auf der im Fall der Fälle gegengesteuert werden kann.

Medienkrise Krisenpravention

Im Visier der Meute: Netzwerk Recherche tagt in Tutzing

21. März 2016. Unter dem Titel „Im Visier der Meute. Journalistische Recherche zwischen Fairness und Exzess“ hat die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche e.V. im März zu einer Tagung in die Akademie für politische Bildung nach Tutzing eingeladen. Bei der Veranstaltung referierten Medienprofis und Politiker über ihre ganz persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Journalisten. Zu den Referenten zählten u.a. Peer Steinbrück und die ehemalige Kieler Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke. Sabine Kehm, Managerin von Michael Schumacher, sprach über den herausfordernden Umgang mit Journalisten nach dem Skiunfall des Formel 1-Fahrers. Engel & Zimmermann kennt den schwierigen Spagat zwischen dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit und dem Schutz der Privatsphäre von Familienangehörigen nach folgenschweren und öffentlichkeitswirksamen Ereignissen, u.a. durch den Tod von Dominik Brunner 2009.

 

Unter dem Titel „Das Problem der Personalisierung“ berichtet die Stuttgarter Zeitung über die Tagung, auch die Mittelbayerische Zeitung schreibt über „Katastrophen- und Lemming-Journalismus“. Einen detaillierten Lifeblog finden Interessierte hier.

Medienkrise Krisenkommunikation Krisenpravention

Haltern am See: Krisen-PR im Ausnahmezustand

16. März 2016. Schlagzeilenjournalismus, mangelnde journalistische Sorgfaltspflicht, Kampf um Klickraten – Medienkritik wird derzeit häufig geübt. Gerade bei großen Unglücken stehen die Redakteure oft unter großem Druck, möglichst schnell an neue Informationen zu gelangen und zu verbreiten. Wie hilfreich gerade dann ein professioneller Umgang mit den Medien ist, zeigt das Beispiel Haltern am See. 16 Schülerinnen und Schüler aus der nordrhein-westfälischen Stadt waren in der abgestürzten Germanwings-Maschine vor knapp einem Jahr ums Leben gekommen. Das mediale Interesse war enorm. Im Interview mit dem Portal Bildblog zieht Georg Bockey, Pressesprecher von Haltern am See, Bilanz und stellt fest. „Der allergrößte Teil der Medien hat sich sehr gut verhalten.“ Man habe die Arbeit der Journalisten aktiv unterstützt und Gespräche angeboten, damit diese gar nicht erst jeden Stein von selbst umdrehen.

Das vollständige Interview finden Sie hier.  

Medienkrise Krisenkommunikation Krisenpravention Onlinekrise

Herausforderung für die Krisen-PR: „Zuspitzungen, Vereinfachungen und sogar Falschdarstellungen“

03. März 2016. Über die „erfundene Schweinfleischpflicht“ schreibt der Blogger Sascha Lobo auf Spiegel online. Soziale Netze und Medien berichteten in diesen Tagen gleichermaßen aufgeregt über die vermeintlichen Pläne der CDU Schleswig-Holstein Kantinen zu verpflichten, Schweinefleisch anzubieten – aber zu keinem Zeitpunkt stand eine solche Forderung in dem Antrag der Landtagsfraktion. Das Beispiel illustriert anschaulich eine Medienlogik, die für die Krisenkommunikation ein große Herausforderung darstellt. Denn im Kampf um schnelle Klickzahlen bleibt die journalistische Sorgfaltspflicht zuweilen auf der Strecke.

Medienkrise Krisenpravention

Wie wirke ich auch in Krisensituationen authentisch?

09. Februar 2016. Wir lieben Authentizität. In einer Welt, in der wir jeden Tag mit Bildern und Videos bombardiert werden, die durchgestylt, inszeniert, nachbearbeitet, aufgehübscht und glattpoliert worden sind, ist es geradezu erholsam etwas zu sehen, was den Menschen oder die Wirklichkeit zeigt wie sie ist.Über die große Bedeutung von Authentizität und wie man  als Unternehmenssprecher authentisch wirkt, schreibt Senior-Berater und Medientrainer Christoph Schmale.

 

Medienkrise Unternehmenskrise

SAPs riskante PR-Strategie

18. September 2015. Bei einem lebensgefährlichen Unfall Anfang Juli verlor SAP-Chef Bill McDermott sein linkes Auge. Zweieinhalb Monate später präsentiert ihn das Unternehmen gesund und voll handlungsfähig mit einem exklusiven persönlichen Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Das manager magazin berichtet aktuell ausführlich über die angewandte Strategie des medialen „Befreiungsschlags“, bei der McDermott und SAP die vollständige Deutungshoheit über den Vorgang behalten. Ein Restrisiko für die Glaubwürdigkeit von SAP bleibt aber dennoch.
Medienkrise Krise-Durch

Du sollst nicht lügen …

20. Februar 2015. … zumindest nicht gegenüber der Presse. Auf diese Erkenntnis verständigten sich jetzt führende Compliance-Officer deutscher Großkonzerne. In einem bemerkenswerten „Kodex für die Medienarbeit von Unternehmen“ verlangt der Arbeitskreis Corporate Compliance im Umgang mit Medien, insbesondere beim Kontakt mit Journalisten und bei der Anzeigenbuchung, Wahrhaftigkeit, Wahrung der Unabhängigkeit sowie die Trennung von Redaktion von Werbung.

 

Demnach dürfen Unternehmen nicht einzelne Medien oder Journalisten wegen einer früheren oder zu erwartenden kritischen Berichterstattung von allgemeinen Presseterminen ausschließen. Auch verwahrt man sich gegen Beiträge, die Mitarbeiter in Foren, Bewertungsportalen oder Blogs hinterlassen, ohne diese als Unternehmensäußerung kenntlich zu machen.

 

Wichtiges Detail: Diese Forderungen sollen auch für Dritte gelten, die von den Firmen im Rahmen der Medienarbeit beauftragt wurde!

Medienkrise Marken

Was sind die TV-„Aufregerthemen“ bei Lebensmitteln?

18. Februar 2015. Das Ergebnis: Wenn es um kritische Beiträge geht, steht die Frage nach der Gesundheit von Produkten ganz oben an. Es folgen Berichte über vermeintliche Verbrauchertäuschung, Missstände in der Tierhaltung sowie durch Keime oder „Umweltgifte“ belastete Lebensmittel.

 

Für das Jahr 2014 wertete Engel & Zimmermann insgesamt 316 Beiträge quer über alle Fernseh-Sender und -Formate in Deutschland aus – von „Abenteuer Leben“ auf Kabel 1 bis „ZDFzeit“, Wiederholungen nicht mitgezählt. Das Fazit ist für die Nahrungsmittelindustrie und den Lebensmittelhandel ernüchternd: Zwar stehen Warenkunde und Qualitätschecks – und damit ein in der Regel sachlicher Fokus – mit 53 Beiträgen an erster Stelle der Berichterstattung. In der Gesamtheit dominieren jedoch die schlagzeilenträchtigen Themen: So folgt gleich auf dem zweiten Platz die Frage nach der Gesundheit von Lebensmitteln (30 Beiträge), die häufig mit der nachgeschobenen Warnung vor „krank machenden“ Lebensmitteln einher ging.

 

Weitere Informationen zur Auswertung sowie die Top 5 der „Aufreger-Themen“ finden Sie hier.

Medienkrise Unternehmenskrise

Kommentar: Hysterie statt Fakten – i. A. der guten Sache

17. Februar 2014. Das investigative TV-Format „Panorama“ kommt in einem sehenswerten Beitrag seiner Sendung vom Donnerstag  (13. Februar) zu einer bemerkenswerten Erkenntnis: NGOs skandalisieren und dramatisieren Testergebnisse, um Aufmerksamkeit zu erwecken. Damit, so der Beitrag, würden Organisationen wie Stiftung Warentest, ADAC oder der BUND mit der Angst der Verbraucher spielen und Hysterie provozieren, wo Fakten zu ganz anderen Ergebnissen kämen.

 

Unzählige deutsche Unternehmen können davon schon lange ein Lied singen, nur zugehört hat ihnen bislang keiner. Da werden von Verbraucherschützern Grenzwerte nach eigenem Gusto festgesetzt, Risiken überhöht und Schäden vermutet, wo tatsächlich keine sind – und die Medien greifen es dankbar auf. Natürlich im Auftrag der guten Sache und mit Opfern, die ja sowieso stets nur die eigenen Interessen im Auge haben: Unsere Wirtschaft. Gut, dass sich Panorama nun der Sache angenommen hat…

 

Den Panorama-Beitrag finden Sie hier.

 

Medienkrise Krise-Durch

Artikel: „Wegducken ist keine Option“

11.06.2013 In der aktuellen Ausgabe der Lebensmittel Zeitung vom 28. März 2013 spricht Prof. Dr. Matthias Michael, Partner bei E&Z, über die Bedeutung von Auftritts- und Medientrainings für den Krisenfall: Mit der entsprechenden Vorbereitung können sich Unternehmer und Manager für Reden, Präsentationen, Talkshows und den seriösen und souveränen Umgang mit Journalisten fit machen.