D&O-Versicherung: Sicherheitsnetz für Reputationskrisen

Foto Dr. Fassbach24. November 2016. Den Anteil der Marke am Unter­neh­mens­erfolg taxie­ren deut­sche Unter­neh­men auf mehr als 50 Pro­zent (Quelle: Marken­studie PwC). Wer sich die­sen Wert ver­ge­genwär­tigt, erkennt, dass Reputa­tion eine hohes Gut ist, das durch eine zielge­rich­tete Kri­sen­kom­mu­nika­tion bestmög­lich geschützt wer­den muss. Reputa­ti­ons­schäden für Unter­neh­men und Manager dro­hen ins­be­sondere in medi­en­wirk­samen D&O-Schaden­fäl­len. D&O-Ver­si­cherun­gen über­neh­men dabei die Kos­ten für die Kri­sen-PR der Manager. Aber auch die Unter­neh­men sind schutzbedürf­tig. Rechts­an­walt Dr. Burkhard Fassbach erklärt, was es mit diesem Ver­si­cherungs­modell auf sich hat.

Herr Dr. Fassbach, Sie sind Spe­zialist für D&O. Worum genau handelt es sich dabei?

Die Direc­tors and Offi­cers-Ver­si­cherung (D&O) wird von Unter­neh­men für ihre Organe und lei­tenden Ange­stell­ten abge­schlos­sen. Es handelt sich um eine Art Sicher­heits­netz, denn bei beruf­li­chen Fehl­ent­scheidun­gen kön­nen die Schäden oft in die Mil­lio­nen gehen und das Manage­ment haf­tet dann – je nach Sach­lage – unbe­schränkt mit dem gesam­ten Privatver­mögen. Kon­zerne sind hier in der Regel bereits sehr gut auf­ge­stellt, wäh­rend im Mit­tel­stand oft noch Nach­holbe­darf besteht. Dabei gibt es sehr viele gute Gründe für diese Ver­si­cherung. Auf Bilanz­schutz und Schaden­ausgleich kön­nen die Unter­neh­men aber erst hoffen, wenn die Haf­tungs­frage in einem öffent­li­chen Gerichtsver­fah­ren geklärt ist. Das kann viele Jahre dau­ern. Eine öffent­li­che Schlamm­schlacht ist dabei meist auch mit einer Reputa­ti­ons­be­schädigung ver­bunden. Sowohl das Unter­neh­men als auch die betroffe­nen Manager kön­nen durch eine nega­tive Pres­sebe­richt­erstat­tung unter die Räder kommen. Die Frage nach Über­nahme der Kos­ten für eine pro­fes­sionelle Kri­sen­kom­mu­nika­tion drängt sich geradezu auf.

Wel­che Maß­nah­men der Kri­sen-PR sind im Rah­men von D&O abge­deckt?

Unter­neh­men müs­sen sich dar­über im Kla­ren sein, dass die D&O-Ver­si­cherung nur die Kos­ten eines PR-Ber­aters für den von einem karrier­ebe­ein­träch­tig­ten Reputa­ti­ons­schaden bedroh­ten Manager über­nimmt. Die genaue Aus­ge­stal­tung in den Ver­si­cherungsbedingun­gen ist einzelfall­abhängig. Um ein typi­sches Pro­dukt eines großen Anbie­ters als Bei­spiel zu neh­men. Hier sind auch die Kos­ten für tak­ti­sche Maß­nah­men wie Medi­en­be­ob­ach­tung, Pres­se­arbeit oder Anzeigenschal­tung abge­deckt. In der Regel gibt die Ver­si­cherung eine Aus­wahl von Kri­sen­kom­mu­nika­ti­ons-Agen­turen vor, mit denen der Manager zusammen­arbei­ten kann. Meist besteht aber Ver­hand­lungs­po­tential, so dass auch die Man­da­tierung einer ande­ren Agen­tur in vie­len Fäl­len mög­lich ist. Spie­gel­bildlich kön­nen sich die Unter­neh­men durch den Abschluss einer spe­zi­el­len Reputa­ti­ons­schutz-Ver­si­cherung für den Krisen­fall wapp­nen.

Ist Ihnen ein prägnan­tes Bei­spiel bekannt, bei dem eine D&O-Ver­si­cherung ein­ge­sprun­gen ist?

Ein gutes Bei­spiel ist die Deut­sche Indus­triebank IKB. Durch einen unab­sicht­li­chen Feh­ler des Manage­ments wur­den die Aktionäre geschädigt und erstrit­ten vor Gericht eine Ent­schädigung in Höhe von 1,9 Mil­lio­nen Euro. Der Auf­sichts­rat forderte die Summe dar­aufhin von dem ver­antwort­li­chen Manager zurück. Für ihn kam letzt­lich die D&O-Ver­si­cherung auf. In der Regel kommt es aber zu Ver­glei­chen, bei denen die Ver­si­cherung und die ver­antwort­li­che Führungskraft nur einen Teil der Klage­summe beglei­chen. Der Auf­sichts­rat, der den Vor­stand ver­kla­gen muss, springt meist als Tiger und endet als Bettvor­le­ger.

Wieso belässt es der Auf­sichts­rat in so vie­len Fäl­len bei einem Ver­gleich?

Auf­sichtsräte scheuen lange gericht­li­che Pro­zesse, die ein hohes Risiko für die eigene Reputa­tion dar­stel­len. Denn auch die Gegenpar­tei, d.h. das Manage­ment, setzt sich mit zielge­rich­te­ter Presse- und Öffent­lichkeits­arbeit zur Wehr. Stich­wort: Litiga­tion PR. Mir ist ein Fall bekannt, da hat sich der Vor­standsvor­sitzende in Zusammen­arbeit mit Kom­mu­nika­ti­ons­exper­ten so erfolg­reich gegen den Vor­wurf der Pflichtver­letzung gewehrt, dass es am Ende der Auf­sichts­rat war, der am medialen Pran­ger stand.

Wie kann der Auf­sichts­rat einer sol­chen Ent­wick­lung vor­beugen?

Ich denke, dass Haf­tungs-Aus­ein­ander­setzun­gen von Auf­sichts­rat und Manage­ment nie eine nur juris­ti­sche Dimen­sion haben, sondern stets auch eine kom­mu­nika­tive. Um Schaden von sich selbst und dem Unter­neh­men abzuwenden, sollte daher auch der Auf­sichts­rat frühzei­tig Exper­ten für Kri­sen­kom­mu­nika­tion bzw. Litiga­tion PR einbinden.

Das Interview als PDF zum Download finden Sie hier.

Zum Autor:
Dr. Burkhard Fassbach ver­fügt über eine langjäh­rige Praxis­erfahrung im inter­na­tio­nalen Wirt­schafts­recht mit den Schwer­punk­ten Manager­haf­tung und D&O-Ver­si­cherung. Nach dem Studium der Rechts­wis­senschaf­ten in Freiburg, Frankfurt am Main und Mainz und dem juris­ti­schen Referendariat im Bezirk des Ober­landes­ge­richts Frankfurt am Main hat er im US-ame­ri­ka­ni­schen Reor­ga­ni­sa­ti­ons­recht am Lehr­stuhl von Prof. Dr. Manfred Wolf, Johann Wolfgang Goe­the-Uni­ver­sität, Frankfurt am Main, pro­moviert. Im Rah­men des Pro­mo­ti­ons­studiums erfolgte ein For­schungs­auf­enthalt an der Northwestern Uni­ver­sity School of Law, Chicago, USA.