Produktschutz-Versicherungen: Zuschüsse für Krisenprävention

Eine hohe Qualitäts­ori­en­tierung ist für die deut­sche Lebens­mit­tel­indus­trie selbstver­ständlich. Dennoch ist kein Her­stel­ler davor gefeit, irgendwann ein ver­unr­einig­tes Pro­dukt zurück­ru­fen zu müs­sen – mit gravierenden Folgen. Die Öffent­lichkeit ist teils ver­un­si­chert, teils ver­ärgert, der Handel ver­langt eine Stel­lung­nahme, die Medien berich­ten mit großen Buch­sta­ben über das ver­meint­li­che Qualitäts­pro­blem. Das betroffene Unter­neh­men ist in kürzes­ter Zeit gleich an zwei Fron­ten in die Defensive gedrängt. Zum einen müs­sen die unmit­telba­ren und eigent­li­chen Kos­ten für den Rück­ruf getra­gen, zum ande­ren müs­sen Maß­nah­men initi­iert wer­den, damit Handel und Endver­brau­cher der beschädig­ten Marke so schnell wie mög­lich wieder neues Ver­trauen schenken.

Bei einem mit­tel­ständi­schen Unter­neh­men mit 150 Mit­arbei­tern und einem Umsatz von 30 bis 40 Mil­lio­nen Euro sind reine Rück­rufkos­ten in Höhe von 500.000 Euro keine Sel­ten­heit. Noch nicht mit ein­ge­rech­net sind dabei mög­li­che Gewinn­ver­luste auf­grund des gerin­ge­ren Absat­zes, geschweige denn die Kos­ten für die Neu­po­si­tio­nierung der Marke.

Rück­rufe auch bei Vor­satz abge­deckt

Mit einer Pro­dukt­schutz-Ver­si­cherung kön­nen sich Unter­neh­men gegen Ertragsver­luste durch Kauf­enthal­tung und wei­tere schadenbedingte Kos­ten, wie Rück­ruf und Ver­nich­tung der Ware, absi­chern. Vie­len Mit­tel­ständ­lern ist aber gar nicht bewusst, dass es die Mög­lichkeit über­haupt gibt, sich abzu­si­chern. Einige wenige und geeig­nete Ver­si­che­rer sind bereit den Her­stel­lern etwa aus der Lebens­mit­tel- oder Kosme­tik­indus­trie, die­ses Risiko abzu­neh­men und decken z.B. die Kos­ten eines Rück­rufs ab, wenn der Handel über einen Pro­duktfeh­ler informiert wer­den musste oder es im schlimms­ten Fall zu einem öffent­li­chen Rück­ruf mit Kauf­enthal­tung durch Ver­brau­cher kommt. Die Ver­si­cherung hilft zum Bei­spiel bei einer nicht vor­sätzli­chen Kon­ta­mi­na­tion, etwa wenn durch einen Feh­ler in der Pro­duk­tion ein Fremdkörper in das Pro­dukt gera­ten ist. Aber auch wenn Betriebs­angehö­rige oder fremde Dritte vor­sätzlich handeln (z.B. im Rah­men einer Pro­dukter­pressung) ist ein Rück­ruf gedeckt. Sogar Folgekos­ten wie ent­gan­gene Gewinne und das Erpressungsgeld sind in den Poli­cen ent­hal­ten. Um die Reputa­tion der Marke wieder auf­zu­bauen, wer­den nach einem Schaden auch zielge­rich­tete Wer­be­maß­nah­men bis hin zur Rückgewin­nung des ver­lo­re­nen Regal­plat­zes erstat­tet.

Krisen­präven­tion auf zwei Säulen

Eine Pro­dukt­schutz-Ver­si­cherung minimiert die finanzi­el­len Risiken, sollte aber mit einer sys­tema­ti­schen Krisen­präven­tion ein­herge­hen. Damit ist sicherge­stellt, dass im Ernstfall keine Feh­ler pas­sie­ren, wel­che das Anse­hen der Marke wei­ter beschädigen. Mit der rich­tigen PR-Strategie lässt sich ein Reputa­ti­ons­ver­lust in vie­len Fäl­len ver­hindern oder zumindest gering hal­ten. Auch soll­ten Unter­neh­men ihre Schwach­stel­len ken­nen, wenn die See noch ruhig ist und nicht erst aktiv wer­den, wenn das Unwet­ter über sie her­ein­gebro­chen ist.

Wenn Unter­neh­men Aus­ga­ben für Krisen­präven­tion tätigen, indem sie etwa einen Krisen­plan erarbei­ten las­sen, einen Rück­ruf simulie­ren oder potenti­elle Krisen­herde analy­sie­ren las­sen, bezu­schus­sen die Ver­si­che­rer dies mit etwa 10 Pro­zent der Jah­res­net­to­prämie. Eine klare Win-Win-Situa­tion! Denn wenn das Unter­neh­men bes­ser auf Kri­sen vor­be­rei­tet ist, pro­fi­tiert im Ernstfall auch der Ver­si­che­rer davon.

 

_DSC0253Der Autor Markus Schach­ner ist Geschäfts­füh­rer der S&R Indus­trie Asseku­ranzmak­ler GmbH. Der Ver­si­cherungsmak­ler S&R ist recht­lich eigen­ständig, unabhängig von Ver­si­cherern, inter­na­tio­nal tätig und aktiver Partner der renommier­ten Mar­tens & Prahl-Gruppe, mit über 800 Mit­arbei­tern die Nr. 4 am deut­schen Mak­lermarkt. Von München aus betreut das Team eine Viel­zahl von deut­schen und inter­na­tio­nalen Indus­triekunden unterschied­li­cher Größe und Bran­chen. Markus Schach­ner ist seit über 25 Jah­ren in diesem Geschäfts­feld tätig, hat Schaden­erfahrung und ver­fügt über beste Kon­takte zum Ver­si­cherungsmarkt.