Compliance-Krise: Wenn Mitarbeiter ausfällig werden

„Ekelhaf­ter Ras­sismus“, „Schämt Euch“, „Men­schen­ver­ach­tend“ – in den sozialen Medien schlägt der Stahlma­nufaktur Ham­mer in Angel­bach­tal bei Sins­heim seit ges­tern ein rauer Ton ent­ge­gen. Der Stein des Anstoßes: Ein 45-sekündiges Video, auf dem ein Kollege einen jun­gen Aus­zu­bildenden demü­tigt. „Komm, wir fah­ren jetzt zum Dec­ath­lon und kau­fen Dir zwei Paddel. Irgendwie musst Du ja von Italien zurück nach Afrika“, hört man. Und: „Schlauchboote findest Du da unten ja bestimmt genug. Und ich geb‘ Dir noch einen Zet­tel mit in die Hand ‚Ready to go‘.“

Ob offe­ner Ras­sismus, sexis­ti­sche Anspie­lun­gen oder gemeinschaft­li­ches Mobbing – ein Fehlver­hal­ten von Mit­arbei­tern muss geahn­det wer­den, das ist Sache der Geschäfts­lei­tung und der Per­so­nal­ab­tei­lung, ggf. auch der inter­nen Kom­mu­nika­tion. Wenn ein sol­ches inakzep­tables Ver­hal­ten auch außer­halb des Unter­neh­mens bekannt wird, ruft das die Pres­se­stelle auf den Plan. Kri­sen­kom­mu­nika­tion ist gefragt.

Die Stahlma­nufaktur Ham­mer – offenbar seit einer Woche in Kennt­nis des Videos – hat mit einer dürf­tigen Stel­lung­nahme auf der Web­site reagiert: Derzeit kur­siert in den Social-Media-Kanälen ein Video mit diskrimi­nierenden Aus­sa­gen in Bezug auf einen unse­rer Mit­arbei­ter. Wir dis­tanzie­ren uns in aller Form von den Inhal­ten die­ses Videos. Wir ver­ur­teilen das Erstel­len sowie die Ver­brei­tung der im Video gezeig­ten Inhalte. Das Video gibt in keiner Weise die Unter­neh­menskultur wieder, die in unse­rem Unter­neh­men seit Unter­neh­mens­gründung gelebt wird.

Auch für die­ses State­ment muss die Firma Schelte wegen mangelnder Glaubwürdigkeit im Netz ertra­gen – aus kom­mu­nika­tiver Sicht zu Recht. Wir fas­sen in vier Ver­be­s­serungsvor­schlägen zusammen, was ein sol­ches State­ment hät­ten ent­hal­ten sol­len:

  1. Einen kla­ren Absen­der; im State­ment ist von „Wir“ die Rede, wer damit gemeint ist, bleibt unsichtbar. Hier wäre der Name des Firmen­in­ha­bers, ggf. in Ergänzung „mit allen Kollegin­nen und Kolle­gen“ drin­gend angebracht, um die Betroffen­heit zu unter­strei­chen.
  2. Eine deut­li­che Ent­schuldigung; das State­ment ent­hält kein Wort des Bedau­erns oder der Fassungslo­sigkeit, dass ein sol­cher ver­baler Angriff im Betrieb pas­sie­ren konnte. Damit bleibt es deut­lich unterkühlt, eine auf­rich­tige Ent­schuldigung ist hinge­gen angebracht.
  3. Kon­sequen­zen. Der betroffene Mit­arbei­ter, aber auch die ande­ren Mit­arbei­ter und die Öffent­lichkeit erwar­ten, dass eine sol­che Hand­lung Folgen haben wird. Auch wenn man diese noch nicht genau benen­nen kann, soll­ten sie angekündigt wer­den.
  4. Soli­darität mit dem Aus­zu­bildenden und ggf. ande­ren Geflüch­te­ten, die im Betrieb beschäf­tigt sind, zeigen und ein kla­res Bekennt­nis gegen Ras­sismus abge­ben. Es ist lediglich von „Unter­neh­menskultur“ die Rede, was diese kennzeichnet, bleibt unklar.

Gerade wenn die Unter­neh­mens­lei­tung seit Tagen von dem Vor­fall und dem Video wusste, hätte es genügend Zeit gege­ben für eine Reak­tion, die eine echte Betroffen­heit zum Aus­druck gebracht hätte. Diese Chance wurde an dieser Stelle ver­tan. Zwar hat sich der Inha­ber des Unter­neh­mens in einem Zei­tungs­ar­tikel bereits anders geäußert, das State­ment wurde dahin­ge­hend jedoch nicht ange­passt.

Das Video ist unter ande­rem unter diesem Link online: https://www.trendsmap.com/twit­ter/tweet/1176434988885188609