Schnell, Sicher, Transparent: Blockchain – Krisenpotentiale in der Lebensmittelindustrie senken

Rück­rufe ste­hen bekannt­lich immer am Frei­tag­nach­mit­tag gegen 17 Uhr vor der Tür. Und sie klop­fen nicht an, sondern ren­nen einem die Tür ein. In die­sen Momen­ten ist es essenti­ell, die Lieferkette des Pro­dukts genau nach­voll­zie­hen zu kön­nen. Die soge­nannte „End-to-End“-Rückver­folgbarkeit für Lebens­mit­tel­pro­dukte und ihre Zuta­ten ist allerdings eine Mam­mut­aufgabe für alle Betei­lig­ten – umso mehr, da die Informa­tio­nen manipula­ti­ons­si­cher gespei­chert wer­den müs­sen. Wie kann die Blockchain bei dieser Her­ausforde­rung in Zukunft hel­fen? Ein Bei­trag unse­res Exper­ten für Online­kri­sen, Björn Frickhofen.

Als bekann­tes­ter Ver­tre­ter der Dis­tribu­ted-Ledger-Tech­no­logie* (DTL) ist die Blockchain spä­tes­tens mit dem Sie­ges­zug der Kryp­towährung Bitcoin im Fokus des öffent­li­chen Inter­es­ses. Hin­ter der nicht ganz neuen Tech­no­logie „ver­teil­ter Kas­senbü­cher“ steckt ein dezen­tra­les Sys­tem, das ver­schiedenste digi­tale Daten beinhal­ten kann und diese ver­läss­lich und für alle Par­teien sichtbar ablegt. Dage­gen besteht bei den heutzu­tage ein­ge­setz­ten zen­tra­len Datenbanken in Unter­neh­men unter ande­rem die Pro­blema­tik der Kom­pa­ti­bilität zu angrenzenden Sys­te­men, weshalb in der Regel immer nur ein gewisser „Aus­schnitt“ von Daten vor­handen ist.

Allen voran die Finanz-Bran­che (Deut­sche Börse) und Logis­tik-Unter­neh­men (Mærsk) haben die Vor­teile dieser Tech­no­logie erkannt und set­zen sie bereits ein. Aber auch inter­na­tio­nale „Food-Gigan­ten“ wie Walmart arbei­ten mit Ihren Partnern ver­stärkt an ihrem zukünf­tigen Ein­satz (Pro­jekt IBM Food Trust). Neh­men wir als Bei­spiel ver­unr­einigte Kir­schen als Zutat einer Schwarz­wäl­der-Kirsch­torte. Sofern die Viel­zahl aller Betei­lig­ten vom Erzeu­ger bis zum Ver­käufer alle relevan­ten Daten für diese Zutat in diesem Sys­tem ablegt, kann jede Par­tei zu jederzeit Informa­tion ermit­teln wie:

– Wo bzw. auf wel­chem Feld wurde das Pro­dukt von wem geern­tet?
– Wel­che Bedingun­gen lagen dabei vor (Pflanzenschutz­maß­nah­men, Klima etc.)?
– War die Tempe­r­atur beim Transport kon­stant?
– Wel­che Ver­pa­ckungs­mit­tel kamen zum Ein­satz?

Aber wozu das Ganze?

All die gesammel­ten Daten erzeugen am Ende ein umfas­sende­res Gesamt­bild, das es Pro­du­zen­ten und dem Handel ermög­licht bei dem oben skizzier­ten Pro­dukt­rück­ruf besonders gezielt und fall­bezogen zu ermit­teln. So wer­den zeit­nah Ver­antwort­lichkei­ten ermit­telt und das Aus­maß sowie Hand­lungsmög­lichkei­ten schnel­ler identi­fiziert. Denn Geschwindigkeit und der Wis­sensvor­sprung hel­fen in sol­chen Situa­tio­nen auch bei den kom­mu­nika­tiven Her­ausforde­run­gen. Unnö­tigen Spekula­tio­nen und Diskus­sio­nen wird durch siche­res Auf­tre­ten in der Öffent­lichkeit vor­gebeugt.